Meschede kann mehr

Attraktives Kulturangebot nicht abhängig von der Stadthalle Meschede

Siegfried Lumme

Siegfried Lumme

Leserbrief von Siegfried Lumme

Mit Aufmerksamkeit habe ich einen Leserbrief zur Zukunft der Kulturarbeit in Meschede gelesen. Leider konnte ich neue Denkansätze nicht erkennen. Auch wurde mein Einschätzung meinen Beitrag zu dieser Diskussion nicht richtig gewertet.

Der Grundgedanke meines Beitrags ist doch gerade die Erhaltung eines attraktiven Kulturangebots.
Allerdings muss an dieser Stelle noch einmal ein größerer Beitrag der Interessierten eingefordert werden. Die wirklich schöne Stadthalle ist in Wirklichkeit ein Stadttheater und steht betriebswirtschaftlich teilweise in Konkurrenz mit mehr als 10 Hallen im Stadtgebiet. Diese Hallen werden ehrenamtlich betrieben.

Ein attraktives Kulturangebot ist nicht abhängig von der Stadthalle Meschede

Sport und Kultur sind in meinen Augen Brüder. In einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist. Dieser Satz hat über die Jahrhunderte seine Gültigkeit nicht verloren.
Aus Gründen der Gerechtigkeit müssen Brüder gleich behandelt werden.

Der gesamte Sportbereich wird ehrenamtlich betrieben. Es gibt kein Sportamt, welches sich mit der Organisation von sportlichen Veranstaltungen beschäftigt. Das Schul- und Sportamt der Stadt Meschede hat einzig den Schulsport im Blick. Sozusagen als wertvoller Überschuss wird den Vereinen eine Restzeitnutzung der Sporthallen zugestanden. Diese Nutzung wird in Absprache mit dem Stadtsportverband in den Sportförderrichtlinen geregelt. Bislang sind Vereine mit einer Jugendabteilung von Nutzungsgebühren befreit. Die Stadt Meschede stellt nun aus finanziellen Gründen die kostenlose Nutzung für Erwachsene auf den Prüfstand. Im Klartext bedeutet dies, erwachsene Sportler bezahlen für Zugang zum Training in Schwimm- und Turnhallen der Stadt Gebühren.

Wenden wir uns dem Zwillingsbruder Kultur zu. Kultur beschränkt sich bekannter Weise nicht auf das Angebot in der Stadthalle Meschede. Sie ist Ausdruck unserer Lebensweise der Arbeit und die Form des Zusammenlebens. Primär ist damit eine bestimmte Geisteshaltung gemeint. Hierbei ist auch aus der Vergangenheit festzuhalten, dass der Kulturring eher eine Bewahrung historischer Kulturschaffensprozesse anstrebte. Der 1979 gegründete Werkkreis Kultur versucht neue, junge Kultur den Bürgern näher zu bringen.
In der Praxis werden kommerzielle Anbieter von Musik und Theatergastspielen verpflichtet. Neben den Eintrittsgeldern werden dafür auch Zuschüsse der Stadt eingesetzt.
An dieser Stelle kommen die Zwillinge Kultur und Sport gemeinsam unter die Lupe.

Es stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich Sport- oder Kulturtreibender?

Ist ein Kulturtreibender nicht jemand, der selbst Musik spielt, jemand, der selbst malt oder Theater spielt?

Im Sport ist die Abgrenzung einfacher. Jedermann ist vollkommen klar, dass ein Sportler selbst Sport treibt oder spielt.

Niemand käme ernsthaft auf den Gedanken eine Zuständigkeit der Stadt Meschede für die Unterhaltung der sportbegeisterten Mescheder Bürger einzufordern, also städtische Mittel einzusetzen – vergleichsweise mit der Finanzierung der Auftritte von Profisportlern.

Dennoch möchte ich ein attraktives Kulturangebot offen halten. Die Kürzung der Zuschüsse Kulturring und WKM ist nicht das geeignete Mittel. Die Strukturen müssen nachhaltig geändert werden.

Finanziell ist für die Stadt Meschede längst Mitternacht. Nach Auskunft des Kämmeres beträgt das strukturelle Defizit der Stadt Meschede 5 Millionen € jährlich. Ohne strukturelle Änderungen beläuft sich der Fehlbetrag im Verwaltungshaushalt bis zum Jahre 2010 auf mehr als 40 Millionen €.

Im Grunde sind unsere Zielsetzungen im Kulturbetrieb deckungsgleich.

Aber ein neuer Weg muss das Ziel sein.

SPD Stadtverband Meschede
Siegfried Lumme, Vorsitzender

07. Februar 2006 – 10:11 Uhr Stadtverband
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