Meschede kann mehr

Flächenbrand nach Ratsentscheidung

Der Tag nach der turbulenten Sitzung im Mescheder Stadtrat: Das Feuer in der Freienohler Turnhalle hat auch einen Flächenbrand unter den Kommunalpolitikern ausgelöst: Zwei warfen die Brocken hin, einer fühlt sich nicht mehr an seine Fraktion gebunden.

Die Turbulenzen begannen, als sich die Mehrheit der Ratsmitglieder gegen eine Erweiterung der Halle entschied. Karl-Heinz Kästner (SPD) legte sein Ratsmandat nieder und Jürgen Klasmeier (CDU) will nicht mehr an den Sitzungen seiner Fraktion teilnehmen. Ob er Vorsitzender der Freienohler Ortsunion bleibt „überlasse ich der Entscheidung der Mitgliederversammlung im Januar“.

Auch Karl-Heinz Kordel will nach 13 Jahren nicht mehr Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Freienohl sein. „Ich sehe keinen Sinn mehr in der politischen Arbeit und ich bin maßlos enttäuscht.“ Er betonte aber auch, dass nicht er es gewesen sei, der „Nieder mit Uli Hess“ von der Zuschauertribüne des Ratssaales gerufen habe. „Dafür habe ich mehrere Zeugen.“

Der Freienohler Sozialdemokrat Karl-Heinz Kästner begründete seine Entscheidung: „Welche Handlungsmöglichkeiten bleiben denn noch, wenn trotz Spenden und ehrenamtlichen Einsatzes so eine Halle nicht gebaut werden kann?“ So werde der Rat überflüssig. „Manche Leute im Stadtrat meinen, dass sie die Stadt retten können, wenn sie auf diese Weise sparen.“ Seiner Meinung nach müssten andere Prioritäten gesetzt werden. Sein Nachfolger könnte Heinz Eickelmann werden oder Volker Westdickenberg.

Gerd Demmel (CDU), Vorsitzender des Freienohler Bezirksausschusses, sagte: „Mein weiteres Agieren hängt von der aktiven Bereitschaft von Rat und Verwaltung ab, das Freienohler Bad zu retten.“ Eine Flucht aus dem Mandat sei aber im Moment das Falscheste, was man machen könne.

Bürgermeister Uli Hess verwies noch einmal auf die desolate Finanzlage der Stadt. „Es gibt rechtlich keine Möglichkeit, eine größere Halle zu bauen.“ Die Mittel dafür können – wenn überhaupt – erst im Haushalt 2006 zur Verfügung gestellt werden. Erst dann könne ausgeschrieben werden. „Doch uns läuft das Geld weg, denn allein das Gerüst kostet 2000 Euro im Monat.“

Er bedauere, dass die Stadt ihren Anteil nicht finanzieren könne. „Das ist tragisch, aber die Halle kann wirklich nur vergrößert werden, wenn alle Mehrkosten privat finanziert werden.“ Die Stadt habe die ganze Angelegenheit von allen Seite beleuchtet. „Hier wird mit Unterstellungen gearbeitet, wenn jemand etwas anderes behauptet.“

Und wenn der Rat sich für die Erweiterung entschieden hätte? „Dann hätte ich den Beschluss beanstanden müssen“, so Hess.

Und das hätte wohl einen weiteren Brand ausgelöst…

Quelle: Westfalenpost, Lokalausgabe Meschede, 9.12.2005

09. Dezember 2005 – 12:25 Uhr Ratsfraktion
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