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Sekundar- und Gesamtschulen: Wo liegen die Unterschiede?

Was ist eine Sekundarschule?

In Nordrhein-Westfalen sind Sekundarschulen neu. Die Landesregierung und die CDU haben vereinbart, sie ab Schuljahr 2012/13 auf Antrag der Städte und Gemeinden einzurichten und zwar als Teil des Regelschulwesens. Hauptgründe sind sinkende Schülerzahlen, bestandsgefährdete Hauptschulen und die große Nachfrage nach Schulen, die längeres gemeinsames Lernen ermöglichen.

Was aber ist eine Sekundarschule? Zunächst: Sie sind „vollständige“ Schulen. Das bedeutet: Ihr Unterrichtsangebot ist für alle Grundschulabgänger geeignet, für leistungsstarke als auch für leistungsschwache Kinder. Alle sollen optimal gefördert werden. Die Schule unterrichtet nach Lehrplänen der Realschulen und Gesamtschulen, vermittelt damit auch Inhalte auf Gymnasialniveau. Daher ist auch der Einsatz auch von Gymnasiallehrkräften in der Sekundarschule erforderlich. Am Ende der Klassenstufe 10 können alle Abschlüsse erreicht werden.

Damit ist für geeignete Schülerinnen und Schüler auch der Übergang in eine gymnasiale Oberstufe möglich. Um dies zu sichern, wird mit einer Oberstufe, die zum Abitur führt, ein Kooperationsvertrag abgeschlossen. Damit wird allen Absolventen mit einer qualifizierten Fachoberschulreife nach der Sekundarschule die Aufnahme in die Oberstufe gesichert.

Die Sekundarschule ist eine Schule der Sekundarstufe I, also der Klassen 5 bis 10. In den Klassenstufen 5 und 6 ist gemeinsamer Unterricht verpflichtend, ab Jahrgangsstufe 7 kann jede Sekundarschule ihr eigenes Differenzierungskonzept entwickeln. Das Modell der Sekundarschule lässt hier nahezu jede Variante zu – von Schulformabteilungen nach dem Modell des gegliederten Schulwesens, über eine Ausweitung des gemeinsamen Unterrichts bis hin zur vollständigen Integration.

Eine Sekundarschule kann Realschule und Hauptschule ersetzen. Dabei gilt: Alle Schülerinnen und Schüler, die die Realschule oder die Hauptschule schon besuchen, gehören bis zum Ende ihrer Schulzeit diesen beiden Bildungsgängen an. So wie eine Sekundarschule jahrgangsweise aufgebaut wird, laufen die Vorgängerschulen jahrgangsweise aus.

Sekundarschulen werden in der Regel als gebundene Ganztagsschulen geführt.
Die Sekundarschule soll den Wünschen zahlreicher Eltern und Grundschullehrkräfte entgegenkommen: Keine Trennung der Kinder nach Abschluss der Grundschule, keine Schullaufbahnempfehlung nach der Grundschule, die über den weiteren Werdegang des Kindes entscheidet, kein vorzeitiger Wechsel der Schullaufbahn („Abschulung“) und Sitzenbleiben nur dann, wenn Eltern dies wünschen.

Wie alle anderen Schulen auch müssen Sekundarschulen durch Vergleichsarbeiten und Abschlussprüfungen nachweisen, dass sie erfolgreich gearbeitet haben.

Was ist eine Gesamtschule?

Seit 1969 gibt es in Nordrhein-Westfalen Gesamtschulen. Zunächst waren sie Schulversuche, ab 1980 wurden sie Teil des Regelschulwesens. Im Schuljahr 2010/11 gab es 225 Gesamtschulen, im Schuljahr 2012/13 werden es etwa 270 sein.

Was ist eine Gesamtschule? Sie ist vor allem eine Schule des längeren gemeinsamen Lernens. Beim Übergang von der Grundschule spielen Eignungsfeststellungen nur eine untergeordnete Rolle, denn die Schule ist ja offen für alle Kinder. Das zentrale Ziel der Gesamtschule ist es, alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrem Leistungsvermögen intensiv zu fördern und zu den bestmöglichen Schulabschlüssen zu führen.

Was bewegt Eltern, ihr Kind in einer Gesamtschule anzumelden? Da kann es viele Gründe geben. Manche Eltern glauben nicht, dass ihr Kind schon im Alter von zehn Jahren den Anforderungen eines Gymnasiums gewachsen ist, andere vertrauen darauf, dass das offene Konzept der Gesamtschule auch Spätentwicklern eine Chance gibt. Es gibt aber auch Eltern, die die frühe Aufteilung der Kinder nach dem 4. Grundschuljahr ablehnen. Wieder andere Eltern entscheiden sich für eine Gesamtschule, weil Ganztagsunterricht immer schon zum Schulalltag gehört.

Neuerdings wird aber auch über eine wachsende Zahl von Eltern berichtet, die für ihr Kind mehr Zeit auf dem Weg zum Abitur wünschen, denn anders als Gymnasien führen Gesamtschulen erst nach neun Schuljahren zum Abitur. Die Sekundarstufe I umfasst also sechs Schuljahre (Gymnasium: fünf), die Oberstufe dauert hier wie dort drei Schuljahre.

Die Schule unterrichtet nach dem Lehrplan für Gesamtschulen, das versteht sich von selbst. Wichtig: In diesem Lehrplan sind auch Anforderungen auf Gymnasialniveau enthalten. Schülerinnen und Schüler, die diesen Anforderungen gewachsen sind, sollen auch auf diesem Niveau lernen können. Selbstverständlich unterrichten in der Gesamtschule auch Gymnasiallehrkräfte. Das ist schon deshalb erforderlich, weil jede Gesamtschule eine eigene Oberstufe hat und damit auch ohne Schulwechsel das Abitur ermöglicht.

Damit vermittelt die Gesamtschule alle Schulabschlüsse, die auch im traditionellen Schulsystem vergeben werden können, vom Hauptschulabschluss bis zur Hochschulreife – gewissermaßen alle unter einem Dach.

Darin liegt ein wichtiger Unterschied zur neuen Sekundarschule: die verbindliche Oberstufe. Für eine Oberstufe aber braucht die Gesamtschule einen ausreichend starken „Unterbau“, also eine Sekundarstufe I mit so vielen Schülerinnen und Schülern, dass die Übergängerzahl für die Oberstufe ausreicht. Das sollen pro Jahr mindestens 42 sein. Aus diesem Grund muss eine Gesamtschule mindestens vier parallele Klassen bilden. Früher waren dafür 112 Schülerinnen und Schüler erforderlich (4 x 28), jetzt reichen bei Neugründungen bereits 100 aus, also 4 x 25.

Die Gesamtschule ist eine integrierte Schule, also eine Schule für Alle. Ihr pädagogisches Grundkonzept sieht vor, dass anfänglich der Unterricht weitestgehend gemeinsam im Klassenverband erteilt wird. Ab Klassenstufe 7 gibt es besondere Angebote, die sich an den Neigungen, Fähigkeiten und Interessen der Schülerinnen und Schüler orientieren. Dieser sogenannte Wahlpflichtunterricht wird ab Klassenstufe 9 noch einmal ausgeweitet.

Klassenwiederholungen sind in Gesamtschulen nicht üblich, auch keine vorzeitigen „Abschulungen“ in andere Schulformen. Wenn so etwas doch einmal vorkommt, geht es in aller Regel auf die Wünsche der Eltern zurück.

Üblicherweise entsteht eine Gesamtschule aus vorhandenen Realschulen und Hauptschulen. In Dortmund-Brakel kann sie neben diesen beiden Bildungsgängen auch das Gymnasium ersetzen. Das bedeutet: Alle Schülerinnen und Schüler, die jetzt die Hauptschule, die Realschule oder das Gymnasium besuchen, gehören bis zum Ende ihrer Schulzeit ihrem Bildungsgang an. Die Gesamtschule wird jahrgangsweise aufgebaut, die Vorgängerschulen laufen jahrgangsweise.

Gesamtschulen müssen wie alle anderen Schulen durch Vergleichsarbeiten und Abschlussprüfungen nachweisen, dass sie erfolgreich gearbeitet haben. Im Bereich der Oberstufe unterliegen Gesamtschulen derselben Schulaufsicht wie Gymnasien.

03. März 2012 – 17:47 Uhr Ratsfraktion
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