Meschede kann mehr

Umstrittenes Thema Windkraft – oder – Was machte der Müller, wenn kein Wind wehte?

Er schickte den Bäcker nach Hause. Ohne Mehl. Bis die Dampfmaschine erfunden wurde, denn von da an gab’s immer Mehl. Heute macht der Müller Strom mit seiner Windmühle. Die Dampfmaschine dazu heißt heute Kohlekraftwerk. Das liefert den Strom, wenn kein Wind weht. Weil es derzeit keine Möglichkeit gibt, die Energie für windschwache Tage zu speichern. So kurz und anschaulich lässt sich ein Hauptproblem der Windkraft-Technologie beschreiben.

Mit der Abwägung von Pro und Contra Windkraft beschäftigt sich zurzeit die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Meschede. Dabei schlägt das Pendel mehr und mehr in Richtung Contra aus. Ob die Stadt jemals Gewerbesteuer aus der erzeugten Energie schöpfen kann, hat sie noch nicht verlauten lassen. Welchen Nutzen der Bewohner der Stadt davon hat, lässt sich nicht erkennen. Es profitieren also nur Investoren und Grundstückseigentümer.

Die Nachteile bleiben den Bürgern:

  • Jedes neue Windrad erhöht die EEG-Umlage.
  • Die Stromnetze werden stark belastet – durch viel Wind und durch wenig Wind
  • Der Wind weht nicht immer, wenn Strom gebraucht wird. Mal muss das Kohlekraftwerk ran, mal muss der Strom ins Ausland verschenkt werden.

Hier vor Ort kommen noch weitere Probleme dazu:

  • Für jedes Windrad müssen 10000m2 Wald abgeholzt werden. 20 Jahre lang kann der Wald kein CO2 abbauen.
  • In Ennert bei Remblinghausen müssen die Bewohner in mehr als 3 Monaten des Jahres um Schattenwurf für den gesamten Ort fürchten. Da stehen die Anlagen oberhalb auf dem Berg. Die Flügelspitzen des nächsten Windrades winken in 300 Metern über dem Ort. Bei einer Entfernung von 700m.
  • Durch die Bauarbeiten an den 4 Windrädern könnte die ortseigene die Trinkwassergewinnung gefährdet werden. Dann müsste die Stadt den Ort an die Städtische Versorgung anschließen. Das bezahlen dann wir alle.

Ein Bürgerbegehren zur Klärung über eine grundsätzliche Haltung zur Windkraft in Meschede lässt die Gemeindeordnung in NRW nicht zu. So wird es eine Bürgerbeteiligung ähnlich der zur Regionale geben. In ihrem Konzept dazu hat die Stadt bereits die Richtung in der Einleitung vorgegeben: „Um bei Planungsverfahren lokale Akzeptanz zu generieren ist es zudem von Bedeutung, die Entscheidungsbetroffenen zu Entscheidungsträgern und Teilhabern werden zu lassen. Akzeptanzdefizite vor Ort lassen sich durch eine frühzeitige Partizipation der Öffentlichkeit an der Vorhabenentwicklung und am Planungsverfahren abbauen.“ Zu Deutsch: Bürger kommt und seht, wie schön das ist!

Wenige engagierte Bürger werden kommen, einige davon ihre Stimme erheben und für alle anderen mitsprechen. Wer als Bürger ein Interesse an dem Thema hat, sei es pro oder contra, sei es konkret wegen eine Anlage oder grundsätzlich aus Überzeugung, sollte sich in dem angekündigten Verfahren einbringen. Wir als SPD-Fraktion möchten daher alle Bürger ermuntern, sich zu beteiligen und ihre Interessen nicht lautstark aber deutlich gegenüber Politik und Verwaltung klar zu machen. Darüber hinaus wollen wir als Fraktion der SPD von Anbeginn des Verfahrens informieren, so wie wir meinen, dass es im Sinne der Mehrheit der Bürger ist. Zu den Anlagen in Remblinghausen Süd und Freienohl West haben sich die betroffenen Bürger bereits deutlich geäußert, in Freienohl sogar mit fast 2000 Unterschriften, gegen die geplanten Windparks. Deshalb hat die SPD im Ausschuss bereits angeregt, die Projekte dort gar nicht mehr zu betrachten, sondern gleich abgelehnt. Der Ausschuss stimmte mehrheitlich für eine entsprechende Empfehlung an den Rat, so zu beschließen.

Ein weiteres Projekt steht nach dem Willen des Ausschusses für Stadtentwicklung vor dem aus: Der beantragte Windpark in Höringhausen / Frielinghausen erfüllt offensichtlich nicht die Ansprüche der unteren Landschaftsschutzbehörde, so dass eine Genehmigung keine Aussicht auf Erfolg hat. So könne die Stadt sich Kosten für Planungen sparen.

Trotz aller Probleme allerdings bekennt sich die SPD grundsätzlich auch zum Ausbau der erneuerbaren Energie-Technologien, auch zur Windkraft. Nur die Rahmenbedingungen müssen stimmen. An Standorten, die weder Mensch noch Natur stören, mit der erforderlichen Speichertechnologie dazu und – bitteschön – ohne die teure Subvention durch den Verbraucher in Form der EEG-Umlage. Über allem aber steht nach Auffassung der SPD-Fraktion die eindeutige Akzeptanz durch die Bürger. Mensch, Natur und Technik müssen mehr denn je im Einklang stehen.

02. Mai 2018 – 16:17 Uhr Stadtverband
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