Meschede kann mehr

Zum Tode von Dagmar Schmidt

Siegfried Lumme

Siegfried Lumme

Erinnerungen von Siegfried Lumme im Rahmen der Gedenkfeier der HSK SPD am 19. Dezember 2005 in der Abtei Königsmünster für die am 9. November 2005 völlig unerwartet verstorbene Bundestagsabgeordnete Dagmar Schmidt aus Meschede:

Dagmars politische Wurzeln sind in der Kommunalpolitik gelegt worden.

Wenn man den politischen Weg von Dagmar Schmidt nachvollziehen will kommt man um eine Betrachtung der persönlichen Wurzeln und der Lebensumstände in denen Sie aufwuchs nicht vorbei.
In einem Gespräch über unsere persönliche Herkunft haben wir gemeinsam festgestellt das die Sozialdemokraten in Meschede, in Mehrheit aus kleinen Verhältnissen stammen, überwiegend evangelisch sind, oft Flüchtlinge, selten Einheimische und der Weg in gehobene Positionen mühsam sei.
Dagmar entsprach diesem Bild von der Mehrheit der Mescheder Sozialdemokraten. Sie kam aus kleinen Verhältnissen. Sie war evangelisch, alles was Sie erreichte wurde erarbeitet. Ihre Ausbildung zur Fotografin und zur Lehrerin für Kunst und Religion erklären auch Ihre Tätigkeit im Rat der Stadt Meschede.
1971 fand Dagmar zur SPD.
Von 1977 bis 1995 war Sie Mitglied des Rates.
Von 1984 – 89 Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Meschede
1989 – 1994 Stellvertretende Bürgermeisterin, ½ Jahr nach Einzug in den Bundestag gab Dagmar Schmidt Ihr Ratsmandat zurück.

In die Zeit Ihrer Kommunalpolitischen Tätigkeit fallen einige Aktivitäten die mit Ihr in engem Zusammenhang stehen.

1979 wurde der Alternative Werkkreis Kultur gegründet. Dagmar gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Ihr Mann Reinhardt Schmidt wurde der erste Vorsitzende des heute noch aktiven Vereins.

Auf Initiative von Dagmar Schmidt gründete die Stadt Meschede eine eigene Musikschule. Das damals noch sehr dürftige Angebot des HSK im Bereich der Musik und Kunst erschien ihr nicht ausreichend.
Ihre Intention die Musikschule Anfang der 90 Jahre zu einer Kunstschule auszubauen wurde seinerzeit durch die sich abzeichnende finanzielle Talfahrt der Stadt gestoppt.
Auch der Beschluss die Musikschule zum Kreis zurückzugeben fand Ihre Unterstützung: Die Stadt muss nicht Betreiber sein. Die Musikschule des Kreises hat jetzt ein gleich gutes Angebot wie die städtische Musikschule. Wichtig ist es, das unseren Kindern ein gutes Angebot erhalten bleibt.

Als drittes möchte ich noch den Einsatz Dagmars für den Kleingartenverein Meschede nennen. Als Kind des Ruhrgebiets war Ihr das Kleingartenwesen sozusagen in die Wiege gelegt. Uns Einheimischen fehlte manchmal die Einsicht.
Mit viel Einsatz und Unterstützung durch Dagmar und andere gründete sich der Verein. Es wurde ein neues, ansehnliches Stück Meschede geschaffen, Dagmar war Mitglied bis zuletzt.

Die Probleme der Familien von Asylsuchenden und Bürgerkriegsflüchtigen wurden von Dagmar Schmidt mit besonderem Nachdruck vertreten

Durch Ihre Arbeit im Bundestag mit dem Schwerpunkt der Entwicklungshilfe wurde Sie mit dem weltweiten Problem der Vertreibung konfrontiert. Die Not der Menschen hat Sie sehr betroffen. Besonders die Gewalt gegen Kinder und die Unterdrückung der Frauen hat Sie oft thematisiert. Sie knüpfte Kontakte und half wo Sie es vermochte.
Aber auch im kleinen Mescheder Kreis hat Sie Initiative ergriffen. Bekannt ist das Türkisch Deutsche Frauenfrühstück. Sie arbeitete mit beim Kinderschutzbund und setzte sich ein für von Abschiebung bedrohte Asylsuchende und Kriegsflüchtlinge.
Sie galt als anerkannte Fachfrau für Ausländerpolitik.

Im Bundestag und Ihrem Spezialgebiet Entwicklungspolitik mit dem Schwerpunkt Naher Osten konnte und hat Dagmar Ihre kommunalpolitische Erfahrung eingebracht.

Dagmar Schmidt hat in den letzen Jahren oft die Ferne der Bundespolitik von der kommunalen Wirklichkeit bedauert. Nur durch diesen Mangel an Verknüpfung seien manche Entscheidungen in Berlin zu erklären.
Die Verknüpfung von Kommunalpolitik und Entwicklungshilfe stellte Sie durch einige Aktionen her.
Unter anderem wurden Kommunalpolitiker aus Palästina mit den Gemeindeparlamenten in Deutschland und deren Funktionsweise vertraut gemacht. In Meschede nahm die Delegation unter anderem an einer Fraktionssitzung teil.
Die Delegationsteilnehmer besuchten Betriebe und Weiterbildungseinrichtungen.
Ferner wurde das System der Kammern vorgestellt.
Zusammen mit einer Mescheder Unternehmerin besuchte Dagmar Frauengruppen in Palästina. Ihr ging es um die Steigerung des Selbstbewusstseins der palästinensischen Frauen. Das eine Frau ein Unternehmen führen und weisungsbefugt auch über Männer sein kann ist bei uns noch neu und im Nahen Osten sicher nicht alltäglich.

Die Förderung der Jugend wurde durch verschiedene Aktionen dokumentiert.

Zur Förderung der Jugend stiftete Dagmar Schmidt den Hochschul- Förderpreis Meschede. Neben guten Studienleistungen, wurden dabei auch der persönliche Einsatz im Umwelt- und Sozialbereich, sowie auf dem Gebiet der Völkerverständigung bewertet.
Ferner förderte Sie Kontakte im Rahmen von Schüler- und Stundentenaustausch.
Ach hier gab und gibt es Kontakte in den Nahen Osten, insbesondere nach Israel.

Dagmar genoss Anerkennung in Meschede über die politischen Grenzen hinaus.

Dagmar erhielt viel Zuspruch, auch von Menschen welche uns nicht unbedingt nahe stehen. Einer Gruppe Mescheder Kaufleute welche sich zu einer Tagung in Berlin aufhielt, suchte Kontakt zu Dagmar. Sie wollten den Bundestag besuchen. Nach Rückkehr der Gruppe wurde ich von verschiedenen Teilnehmern über die hervorragende Leistung von Frau Schmidt unterrichtet. Ein guter Bekannter dazu: Sie hat eine Lanze für Euch gebrochen. Wir waren von Dagmar begeistert.

Am Freitag den 16.12. besuchte mich erstmals ein Bekannter aus Meschede im Bürgerbüro. Sein Blick fiel auf den Nachruf zum Tode Dagmar Schmidt.

Betroffen sagte er:

Ich wähle eigentlich nicht Euch. Dagmar Schmidt habe ich sehr geschätzt.

Ihr Tod ist ein Verlust für Meschede und auch persönlich.

Dem habe ich nichts zu zufügen.

Siegfried Lumme
Vorsitzender des SPD Stadtverbandes Meschede

25. Dezember 2005 – 15:21 Uhr Stadtverband
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